Um Geschäftsanwendungen in SAP abbilden zu können und diese möglichst effizient zu modellieren und zu implementieren, bietet SAP das Framework BOPF an. Durch das Framework wird darauf verzichtet selbst zu coden und die Arbeit wird dadurch erheblich vereinfacht.

BOPF im Detail

BOPFBusiness Object Processing Framework ist ein ABAP orientiertes Framework, das zur Modellierung und Entwicklung von Geschäftsobjekten (SAP Business Objects) angewendet wird. Das Framework unterstützt vor allem die Entwicklung, da wiederkehrende Aufgaben der Programmierung abgenommen werden. Dem Entwickler werden über den Service Manager Schnittstellen bereitgestellt, um auf Geschäftsobjekte zugreifen zu können. Da SAP dem Framework einige Komponente (Post Processing Framework, Enterprise Search…) bereitstellt, müssen diese nicht mehr von den eigenen Entwicklern eigens umgesetzt werden. Daraus resultiert eine deutlich kostengünstigere und beschleunigte Entwicklung.

Durch die Standardisierung werden einige Funktionalitäten und Services zur Verfügung gestellt:

  • CRUD (Create, Read, Update, Delete) – Operationen auf ein Datenmodell
  • Pufferung der Datenbank bereits gelesener Datensätze
  • Steuerung der Sichtbarkeit einzelner Funktionen in Richtung der Verwender
  • etc.

BOPF findet in SAP seit Jahren Verwendung in SAP-Anwendungen wie dem Supplier Relationship Management (SRM), Transport Management (TM), Change Management, Supplier LifeCycle Management oder Quality Issue Management.

Geschäftsobjekte in BOPF

Ein Geschäftsobjekt (Business Object) übersetzt die technischen Details der Anwendungslogik in verständliche Begrifflichkeiten an die Oberfläche.

Das Objekt stellt eine Abstraktion von Entitäten (Produkt, Auftrag, Kunde, Lieferant…) dar, mit einem eigenen Zustand und Verhalten. So können Funktionen eines Geschäftsobjekts bereitgestellt werden.

  1. Assoziationen: Verbindet verschiedene Instanzen von Geschäftsobjekten zwischen verschiedenen Knoten
  2. Ermittlungen: Ergänzt automatisch Daten, die vom Framework zu bestimmten Zeitpunkten im Ablauf durchlaufen
  3. Validierung: Wird zur Konsistenzprüfung von Knoten und Aktionen benutzt
  4. Aktionen: Im Gegensatz zu Ermittlungen müssen Aktionen explizit vom Benutzer angestoßen werden. Zum Beispiel durch einen Klick auf einen Button
  5. Abfrage (Query): Wird verwendet, um nach bestimmten Knoteninstanzen zu suchen
  6. Alternativschlüssel: Ist vergleichbar mit einem Primärschlüssel

Aufbau eines Geschäftsobjekts

Anwendungsbeispiel

Für eine bessere Übersicht, wie ein Objekt in der Praxis dargestellt ist, bietet SAP einige Demo-Implementierungen. Diese können über die Transaktion BOBX aufgerufen werden.

Als Beispiel dient das Geschäftsobjekt „Kundenauftrag“, bestehend aus einem Root-Knoten mit dem Namen „Kundenauftragskopf“. Der Kundenauftragskopf enthält als Unterknoten diverse „Kundenauftragspositionen“.  Die Knoten sind mit einer Datenbanktabelle (VBAK für den Kundenauftrag und VBAP für die Auftragspositionen) verknüpft und dienen als Datenquelle.

Relavante Transaktionen im Business Object Processing Framework

  • BOBF – für SAP interne Verwendung
  • BOBX – stellt wichtige Funktionen zur Bearbeitung von Geschäftsmodellen dar. Für den Kunden empfohlene Transaktion
  • BOBT – Öffnet die Umgebung zum Testen. Ermöglicht die meisten Fehlerursachen ausfindig zu machen. Zeigt Geschäftsobjekte und dessen Entitäten, die Klasse sowie den Transaktionsmanager.

Transaktions- und Servicemanager

Über vorgegebene Schnittstellen erleichtert BOPF den Zugriff auf Knoteninstanzen und kümmert sich um deren Pufferung oder das Sperren. Das Navigieren zwischen den Instanzen wird ebenfalls durch BOPF erleichtert.

Weitere Tools

Nachdem ein BOPF Business Object fertig modelliert, programmiert und getestet wurde, ermöglichen weitere Tools eine Benutzeroberfläche aus dem Modell zu entwerfen. Unter Einbindung des Floor Plan Manager (FPM) kann eine Benutzeroberfläche erstellt werden. Durch den Aufbau von BOPF nach dem Model-View-Controller (MVC) Prinzip, wird die Geschäftslogik von der Benutzeroberfläche getrennt. Dadurch können mehrere Benutzeroberflächen gleichzeitig auf die dieselbe Logik zugreifen.

Vorteile von BOPF

  • Durch Standardisierung ergibt sich eine signifikante Kosten- und Zeitersparnis in der Entwicklung von Geschäftsanwendungen
  • Entwickler müssen sich nicht um das Sperren und die Transaktionsabwicklung kümmern
  • Einfache Wiederverwendbarkeit durch einheitliche Schnittstellen und zentrale Geschäftsobjektverwaltung
  • Niedriger Wartungs- und Kostenaufwand durch Kapselung einzelner Funktionen innerhalb des Geschäftsobjektes und durch Verwaltung durch SAP
  • Geschäftslogik und UI-Logik sind getrennt

Nachteile

Aufgrund der Verwendung von objektorientierten Methoden und Design-Muster, wird dem Entwickler ein hohes Maß an Verständnis abverlangt. Außerdem muss der definierte Verwendungszweck eingehalten werden, da Abweichungen vom Standardverhalten mit hohem Aufwand verbunden sind.

Fazit

Die Anwendung des SAP Business Objects Framework hilft Ihnen, Ihre Geschäftsanwendungen zu implementieren. Durch Standardisierungen kann die Entwicklung Zeit sparen und muss sich nicht jedes Mal neu in eine Architektur einarbeiten.

Es ist sinnvoll das Framework anzuwenden um komplexe Datenmodelle vereinfacht abzubilden, insofern keine Rahmenbedingungen dagegensprechen. Sprechen Sie unsere Entwicklungsmannschaft gerne für weitere Informationen an.