Im letzten Beitrag zum EWM im Mittelstand haben wir bereits über den SAP Standard gesprochen. In diesem Beitrag erfahren Sie mehr über die Standard Logistikprozesse. Konkret werden die Prozesse für einen Wareneingang, Warenausgang, Produktionsversorgung und Inventur vorgestellt. Zum Schluss werden wir auch auf den Lagerverwaltungsmonitor eingehen.

 

Wareneingangsprozess

Um eine Einlagerung zu beginnen, benötigt das EWM eine Anlieferung. Dies kann beispielsweise in Folge einer Bestellung oder eines quittierten Produktionsauftrags erzeugt werden. Sobald die Anlieferung im ERP System erzeugt wurde, wird diese automatisch im EWM repliziert. Seit dem Release 1909 kann im embedded EWM auch direkt eine Anlieferung auf Basis einer Bestellung erfasst werden.

Sobald die Ware im Lager eintrifft, kann die gesamte weitere Verarbeitung wahlweise durch einen RF-fähigen Hand-Scanner oder in der SAP GUI vorgenommen werden. In der Realität wird hauptsächlich der Scanner benutzt und die SAP GUI zur Verarbeitung von Fehlern oder beispielsweise komplizierter Umpackvorgänge genutzt.

Der Lagerarbeiter nimmt die Ware in Empfang, durch Packspezifikationen wurde die Ware bereits automatisch im System verpackt und Etiketten wurden gedruckt. Nun versieht der Lagerarbeiter die verpackte Ware mit den Etiketten und scannt diese.

Der Scanner teilt ihm nun mit, wo die Ware hingebracht werden soll. Er kann nun den Wareneingang buchen und den Bestand sofort an das ERP-System übermitteln oder die Einlagerung abschließen und der Bestand wird automatisch fortgeschrieben.

Eine fehlerhafte Anlieferung wird mit der Transaktion VL60 bearbeitet. Die Bearbeitung in der VL32n ist nach der Verteilung an das EWM nicht mehr möglich.

 

Warenausgangsprozess

Grundlage des Warenausgangs bildet eine Auslieferung. Diese kann entweder in Folge eines Kundenauftrags oder im Falle der lieferbasierten Produktionsversorgung, zur Materialbereitstellung am Produktionsversorgungsbereich (PVB) angelegt werden. Mit der Anlage wird die Auslieferung automatisch im EWM repliziert. Dort wird manuell oder wahlweise auch durch eine automatische PPF-Aktion eine Lageraufgabe angelegt.

Zur Auslagerung ermittelt das System selbständig den Lagerplatz, von dem die Ware entnommen werden soll. Die Ermittlung des Platzes erfolgt beispielsweise durch ein FI-FO Prinzip. Soll eine bestimmte Ware von einem bestimmten Platz entnommen werden, kann die Auswahl auch manuell erfolgen.

Die Lageraufgabe enthält mehrere Lageraufträge, die unabhängig voneinander kommissioniert werden können. Sobald alle Materialien an der Warenausgangszone liegen, kann ebenfalls automatisch oder manuell der Warenausgang erfolgen.

Eine fehlerhafte Auslieferung kann im EWM gelöscht werden und wird automatisch auch im ERP entfernt. Eine neue Auslieferung kann danach in der VL01n angelegt werden.

 

Produktionsversorgung – Lieferbasiert

In diesem Blogbeitrag betrachten wir die lieferbasierte Produktionsversorgung näher. Es wird eine Auslieferung zum Produktionslagerort aus dem EWM-Lagerort benötigt. Um diese Auslieferung zu erzeugen, gibt es verschiedene Wege der Bereitstellung. Die Art der Bereitstellung wird durch Regelkreise gesteuert. Dabei wird im Wesentlichen zwischen drei Arten unterschieden: Abrufteilen, Kommissionierteilen und KANBAN.

Nach der Freigabe eines Fertigungsauftrages entstehen Bedarfe. Diese werden in Abhängigkeit zu den Regelkreisen gesteuert. Kommissionierteile werden automatisch direkt mit der Freigabe des Fertigungsauftrages oder der manuellen Selektion in diesem bereitgestellt und eine Auslieferung angelegt.

Abrufteile erzeugen Bedarfe, die in der Transaktion MF60 gelistet werden. Vorteil dieser Methode ist, dass nicht sofort alle Teile bereitgestellt werden, sondern die exakte Anzahl der benötigten Teile zu bestimmten Terminen angefordert werden können. Das Bedarfsdatum wird automatisch errechnet und mit in der Liste aufgeführt. Erst bei Order der Teile wird eine Auslieferung angelegt.

KANBAN-Materialien, wie beispielsweise Schrauben, liegen immer in großer Stückzahl in der Produktion. Läuft der Behälter mit den Materialien leer, muss in der Transaktion PK13N eine Anforderung ausgelöst werden. Damit wird ein voller Behälter angefordert. Eine zugehörige Auslieferung wird erzeugt und an das EWM übermittelt.

 

Inventur

Die Inventur im EWM erfolgt zunächst nur in diesem System. Dazu können verschiedene Methoden genutzt werden. Stichtags- und Ad-Hoc Inventuren werden dabei am häufigsten verwendet. Auch eine Kombination von beiden Varianten ist denkbar. Wenn Schiefstände im Bestand auftreten ist eine Ad-Hoc Inventur zur Ausbuchung notwendig. Diese wird dann zusätzlich zu einer Stichtagsinventur durchgeführt.

Im Prozess-Flow würden in beiden Fällen zunächst ein oder mehrere Inventurbelege angelegt werden. Gezählt werden kann im Anschluss manuell oder mit dem RF-Scanner. Die Ergebnisse müssen anschließend gebucht werden. Ist dies geschehen können Mengendifferenzen zwischen ERP und EWM mittels des Difference Analyzers abgeglichen und repliziert werden. Dabei werden sowohl Menge als auch der Wert auf ERP Seite angepasst.

 

Der Lagerverwaltungsmonitor

Hinter dem Transaktionscode /SCWM/MON verbirgt sich das wohl wichtigste Element des Extended Warehouse Managements. Der Monitor bietet völlige Transparenz über alle Waren im Lager und deren Bewegungen, sowie die Ressourcen, die an deren Bewegung beteiligt waren.

Neben der Ausgabe dieser Daten in Listen, gibt es auch die Möglichkeit direkt in die jeweiligen Belege und Transaktionen zu springen.

 

Fazit

Wie Sie gesehen haben ist der SAP-Standard sehr umfangreich und deckt in seinem Repertoire alle gängigen Business Szenarios ab. Neben der Bandbreite an Prozessen und Möglichkeiten, ist der Lagerverwaltungsmonitor das Herzstück der Lagerverwaltung. Auf dessen Funktionen werden wir zu einem späteren Zeitpunkt noch genauer eingehen.

In unserem nächsten Blogbeitrag zur Lagerverwaltung, werden wir die Erweiterung des SAP-Standards und die Möglichkeiten über diesen hinaus beschreiben.

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