Es gibt in S/4HANA verschiedene Möglichkeiten, die SAP LE-TRA Transportlösungen aus R/3 abzulösen:

  •  SAP TM Standalone-Modul, kompatibel sowohl mit S/4HANA als auch R/3
  •  Embedded TM (oder „SAP S/4HANA TM“), ausschließlich für S/4HANA

letzteres ist die von SAP angestrebte Lösung ab 2025. Worauf muss man sich mit der Umstellung von LE-TRA auf Embedded TM also einstellen und was verändet sich?

Im vorgehenden Beitrag zur Umstellung von SAP TM in R/3 zu embedded TM in S/4HANA wurden bereits grundlegende Punkte zum Transportation Management dargestellt. In folgendem Artikel sollen nun weitere Zusammenhänge herausgestellt und das embedded TM vertiefend erklärt werden.

Beim embedded TM fallen die Schnittstellen weg, da die verschiedenen Module direkt auf dieselben Daten zugreifen können. Das Schema „embedded vs. standalone” gibt es so ebenfalls im EWM (siehe Beitrag zum eEWM), allerdings wird dort zusätzlich noch eine interne RFC-Verbindung benötigt. Durch den embedded-Ansatz fallen Zwischenbelege weg, wie z.B. der „Auftragsbasierte Transportbedarf“, der im TM basierend auf einem ERP-Auftrag erstellt wird. Im embedded TM werden direkt Frachteinheiten gebildet, die im TM erst auf den Transportbedarf folgten. Nachfolgende Grafik veranschaulicht diesen Ablauf:

 

Das embedded TM (ab Release 1809) ist wie das standalone TM in der Lage, Daten aus einem SAP ERP System zu empfangen. Dadurch wird es möglich, das System schrittweise auf S/4HANA umzustellen.

Ablauf im embedded TM

Wie im Beispiel oben dargestellt, werden die Daten aus dem ERP direkt dem TM übermittelt und dort weiterverarbeitet. Dieses Beispiel bezieht sich allerdings auf die Auslieferung von Waren bezogen, TM beschäftigt sich aber auch mit der Anlieferung oder der Umlagerung, wenn dabei ein Transport anfällt. Wenn das eigene Unternehmen als Spediteur auftritt, kann es auch eingesetzt werden, um die Warentransporte von Kunden organisieren. Daher gibt es grundlegend vier verschiedene Abläufe im TM:

  • Auslieferung nach Kundenauftrag
  • Anlieferung nach Bestellung
  • Umlagerung
  • Transport nach Speditionsauftrag

Dabei werden jeweils nach Auftragserstellung automatisch Frachteinheiten zu den zu transportierenden Waren gebildet. Mit diesen Frachteinheiten verfährt man dann weiter in der Transportplanung und der Unterbeauftragung, sofern man einen Spediteur beauftragt. Nach der Ausführung des Transports folgt schließlich die Rechnungsstellung bzw. Rechnungsbegleichung, dokumentiert durch entsprechende Statusmeldungen, die im Frachtauftrag erfolgen.

Transportation Cockpit

Das Transportation Cockpit ist ein sehr zentrales und mächtiges Werkzeug im TM für die Durchführung von Planungsvorgängen und kann im Fiori Launchpad aufgerufen werden. Es bietet eine Übersicht aller Transportbedarfe und zusätzliche Funktionalitäten, wodurch die Planung erleichtert wird und auch direkt im Cockpit durchgeführt werden kann. Das Cockpit besteht aus mehreren Bildschirmbereichen mit einem konfigurierbaren Seitenlayout.

Seitenlayout

Das Cockpit ist grundlegend nur so gut wie die Konfiguration durch den Nutzer. Der anzustrebende Ansatz ist der, dass ausschließlich für den Nutzer relevante Informationen angezeigt werden. In das Cockpit kann man entweder mit Auswahlkriterien oder mit Profil- und Layoutsets einsteigen:

  • Auswahlprofil: Hier kann man direkt das Cockpit mit allen Daten selektieren oder schon vordefinierte Selektionen auswählen.
  • Profil- und Layoutset: Vordefinierte Ansichten des Cockpits, welche meist auf einen bestimmten Planungsprozess ausgelegt sind (z.B. für den internationalen Containertransport oder der lokalen Distribution). Wählt man eines dieser Sets aus, passt sich das Transport Cockpit bezüglich Bildschirmbereiche, Inhalte, Schaltflächen sowie Selektionen an.

Basierend auf den ausgewählten Kriterien kann dann das Cockpit gestartet und mit der Planung begonnen werden. Der Einstieg mit Profil- und Layoutsets ist dabei deutlich leistungsfähiger, da diese eine komplexere Auswahl bieten. Seit dem TM-Release 9.5 können diese von mehreren Benutzern kombiniert und wiederverwendet werden, da sie zentral gepflegt werden. Das erspart Aufwand und Redundanzen und schafft Übersichtlichkeit.

Manuelle und automatische Planung

Im Cockpit kann man sowohl manuell als auch automatisch planen/planen lassen. Der Benutzer kann den Transportbedarfen z.B. manuell LKWs oder Spediteure zuordnen oder diesen Vorgang automatisch durchlaufen lassen. Man wählt dazu die betreffenden Frachteinheiten aus und wählt im Menü die „Optimierer Planung“. Bei der manuellen Planung können automatisch Warnungen generiert werden, wenn eine Zuordnung nicht stimmen kann. Bei der automatisch generierten Planung handelt es sich eher um einen Vorschlag, der durch den Benutzer geprüft und bei Bedarf geändert werden kann.

Zusätzliche Features

Ebenfalls bietet das Transport Cockpit Möglichkeiten zur die Laderaumplanung, Erstellung von Packstückeinheiten, ein Gantt Chart und die Landkarte, auf der mögliche Routen und Lokationen angezeigt werden. Welche dieser Funktionen angezeigt werden,wird in den Layoutsets geregelt. Seit dem SAP TM 9.5 können bis zu drei Fenster gleichzeitig im Transport Cockpit geöffnet sein.

Wie grenzt sich embedded TM von LE-TRA unter R/3 ab?

Alle Funktionalitäten des LE-TRA sind bzw. werden in Zukunft im SAP TM Basic Shipping abgedeckt. Im LE-TRA begann der Prozess ebenfalls mit dem Auftrag und der Lieferung, allerdings wurde anschließend ein Transport über die VT01N angelegt.

Im embedded TM steht zusätzlich das Professional Shipping zur Verfügung. Dieses ist zusätzlich zu lizensieren und beinhaltet neue Funktionen wie etwa die Laderaumplanung, die Fahrplänen und Speditionsaufträgen.

Umstellung von R/3 LE-TRA auf S/4 TM

Worauf muss man sich mit der Umstellung von LE-TRA auf Embedded TM also einstellen und was verändet sich?

  • Embedded TM wird in Fiori und im Business Client bedient und nicht über die SAP GUI.
  • Dementsprechend werden Fiori Anwendungen anstelle der bisher bekannten VT-Transaktionen genutzt (VT01N wird z.B. zu „Frachtauftrag anlegen“).
  • Es gibt neue Stammdaten und neue Objekte: der Transport aus dem LE-TRA wird z.B. in S/4 zu einer Kombination aus Frachteinheit und Frachtauftrag, der Verkehrsknoten heißt dann Lokation.
  • Die Kommunikation zu den Spediteuren läuft nicht mehr wie bisher über das SHPMNT-IDoc, sondern über XML-Proxy-Nachrichten.

Fazit

Alle Unternehmen, die SAP LE-TRA in Anwendung haben, müssen bis Ende 2025 auf SAP TM umsteigen. Dabei sind alle Funktionalitäten ohne Zusatzlizenz im sogenannten „Basic Shipping“ abgedeckt. Während das LE-TRA dabei speziell für Verlader war, ist nun das TM mit dem „Professional Shipping“ an den erweiterten Markt der Logistikdienstleister und an Produktions- und Handelsunternehmen gerichtet. Bei der Umstellung auf SAP TM gibt es mehrere Varianten durch die sogenannten Side by Side Möglichkeiten. Fest steht, wer bis Ende 2025 auf SAP S/4HANA TM umsteigen will, sollte bereits jetzt anfangen, sich damit zu beschäftigen.

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