Das Thema Lieferpläne und Abrufe wurde im Einführungsbeitrag zum Thema Just in Time und Just in Sequence bereits angeschnitten. Diese stellen die Hauptobjekte zur Abwicklung von JIT und JIS dar und sind somit von hoher Relevanz. Was  hinter den Begriffen steckt und wie sie im SAP verwendet werden, erfahren Sie im zweiten Beitrag unserer Just in Time und Just in Sequence Reihe.

Lieferpläne als Grundlage

Ein Lieferplan ist ein Rahmenvertrag, der für ein oder mehrere Materialien angelegt wird und die erwartete Gesamtmaterialmenge angibt, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums an den Kunden (in unserem Fall dem OEM) geschickt werden soll. Die Mengen und Termine werden dabei durch die Abrufe ständig verändert und aktualisiert, im Gegensatz zum Standardlieferplan, bei dem diese Größen fix sind. Der Kunde schickt in regelmäßigen Abständen Lieferplanabrufe, um eine bestimmte Materialmenge abzurufen. Die Lieferplanart bei der Anlage des Lieferplans in der VA31 lautet „Lieferplan mit Abrufen“. Bei der Montage- bzw. Streckenabwicklung wird der Lieferplan mit Abrufen in SAP allerdings nicht unterstützt.

Daten, die für den gesamten Beleg gelten, erscheinen im Kopf. Daten zu den Materialien werden auf Positionsebene angezeigt, und Liefertermine und Mengen stehen in den Einteilungen im Abruf. Außerdem wird im System eine Historie gepflegt, anhand derer Sie verschiedene Liefer- und Feinabrufe einander gegenüberstellen und vergleichen können.

Die verschiedenen Abrufarten

Ein Abruf ist ein Beleg, der per EDI (Electronic Data Interchange) an den 1-Tier (z.B. Zulieferer im Automobilbereich) gesendet wird, um eine bestimmte Menge eines oder mehrerer Materialien abzurufen. Der Abruf enthält Informationen zu Liefermengen und -terminen. Angelegt werden die Liefer- und Feinabrufe ebenfalls in der VA31 (siehe oben im Screenshot rot markiert). In SAP gibt es dabei folgende Abrufarten:

In vielen Fällen werden zusätzlich zum Lieferabruf noch Feinabrufe geschickt, die nur die nächsten Lieferungen betreffen, aber bindend sind und üblicherweise nicht mehr geändert werden. Der Lieferabruf bekommt dadurch eine Vorschaufunktion, um langfristigere Planungen durchführen zu können. Im Lieferabruf können allerdings auch Tagestermine angegeben werden, womit der Feinabruf ersetzt werden kann.

Manchmal wird noch von Sequenzabrufen gesprochen – einzuordnen sind diese auch unter dem Begriff „Impuls“ oder „Montagesequenz“. Diese werden meist über Scanner beim OEM automatisch versendet und liefern die aktuelle Sequenz der Fahrzeuge auf dem Fließband.

Abrufabwicklung im SAP

Das SAP-System ermöglicht die automatische Verarbeitung von Abrufen, die per EDI eingehen. In diesem Fall startet das System den entsprechenden Workflow im Hintergrund. Der Kunde schickt immer neue Abrufe, die den Lieferplan aktualisiert, generell gilt dabei dann:

  • Ein neuer Abruf ersetzt den alten Abruf (Liefer- sowie Feinabruf)
  • Ein Feinabruf übersteuert den Lieferabruf innerhalb des Feinabrufhorizonts

Der neue Abruf wird immer mit dem alten Abruf verglichen, wenn dieser mittels EDI empfangen wird. Durch diese Prüfung soll sichergestellt werden, dass die Toleranzgrenzen eingehalten werden. Stellt das System einen Fehler fest, wird eine Meldung ausgegeben und eine Liefersperre gesetzt.

Folgende Prüfungen werden durchgeführt – wenn eine der drei erfolgreich abläuft, gilt die Prüfung insgesamt als erfolgreich bestanden und das System prüft nicht weiter:

  • Die Abruffortschrittszahl (AFZ; mehr dazu siehe nächster Abschnitt) des neuen Abrufs überschreitet bzw. unterschreitet die AFZ des Vergleichsabrufs höchstens um die Toleranzmenge/-prozente
  • Die AFZ des neuen Abrufs ist bei Mengenerhöhung nicht größer als die AFZ des Vergleichsabrufs zum Einteilungstermin plus Toleranztage
  • Die AFZ des neuen Abrufs ist bei Mengenreduzierung nicht kleiner als die AFZ des Vergleichsabrufs zum Einteilungstermin minus Toleranztage

Beim Eingang des EDIs prüft das System darüber hinaus, ob das Mischen von alten und neuen Abrufen gewünscht ist oder nicht (Schlüssel B oder 1), ob die Liefernummer gültig ist, ein Jahreswechsel stattgefunden hat, Anweisungen für eine Sonderabwicklung vorhanden sind und welche Bedarfs – und Lieferrelevanzen gelten (A bis E oder keine Angabe).

Fortschrittszahlen

Fortschrittszahlen wie die oben genannte Abruffortschrittszahl beziehen sich immer auf Abrufe eines Lieferplans und stellen somit die Grundlage für Planung und Überwachung dar. Folgende sind z.B. direkt bei der Anlage eines Abrufs zu sehen (AFZ ist hier hinter Abruf zu finden/einzutragen):

Fazit

In diesem Blogbeitrag wurden Lieferplan, Abrufe und die Abrufabwicklung behandelt und die Zusammenhänge grafisch abgebildet. Um einen Überblick über den gesamten Prozess zu erhalten, empfehlen wir Ihnen unsere Serie zu Just in Time und Just in Sequence weiterzulesen. In dieser Serie folgen noch die Themen:

  • Nachrichtentypen und VDA Standards
  • JIT/JIS Aktionen und Prozessübersicht

 

 

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  1. […] den bisherigen Beiträgen der JIT/JIS Serie wurden Grundlagen, Basisprozesse, Lieferpläne und Abrufe erklärt. Dabei lief bereits viel über die Interaktion zwischen dem OEM (Automobilhersteller) und […]

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