Im vorhergehenden Beitrag zum Thema „SAP Activate – das S/4HANA Einführungsframework von SAP“ wurden die Grundlagen des Frameworks erläutert: Der Sinn und Zweck, die Grundsätze und die ersten drei der insgesamt sechs Phasen, die durchlaufen werden. In diesem Beitrag werden die letzten drei Phasen betrachtet, der Roadmap Viewer erläutert und das Zusammenspiel aller Elemente angesehen.  

Stehengeblieben bei der Explore Phase, in welcher die endgültigen Geschäftsprozesse festgelegt werden und erste Schritte in Richtung der Umsetzung getätigt werden, schließen wir nun mit der Realize Phase an das Vorgehensmodell an.  

 

Die Realize Phase 

In dieser Phase beginnt nun die Arbeit am neuen SAP System. Die bereits genannten Konfigurationen aus dem Hauptbestandteil der „Guided Configuration“ werden hier durchgeführt. Bei Bedarf werden zusätzliche Konfigurationen entsprechend dem Backlog-Dokument eingestellt. Die Funktionalität des Systems wird Schritt für Schritt in Sprints aufgebaut. Während der Sprints werden mit der Fachabteilung und den Schlüsselanwendern die Cutover-Vorbereitung, Integrationstests und Walkthroughs durchgeführt. Das Team durchläuft so mehrere Iterationen und arbeitet sehr eng miteinander. Dies ist in dieser Phase besonders wichtig, da das System hier konfiguriert und aufgesetzt wird. Neben den Konfigurationen im Customizing und der Einstellung der Geschäftsprozesse werden hier ebenfalls die Berechtigungskonzepte erstellt. Wie auch bei den Konfigurationen hat SAP hier gewisse Standardrollen entwickelt, die zu den Best-Practice Prozessen passen und in den meisten Unternehmen existieren. Weitere Kundenanforderungen können hierauf erneut aufbauen und ausgearbeitet werden.  

Die zuvor erstellten Migrationspläne werden dann mit Testdaten getestet und wenn die Daten im richtigen Format vorliegen und die Migration erfolgreich verläuft, können diese erst vollständig auf das Testsystem und dann auf das Produktivsystem migriert werden. Der Go-Live Prozess in der nächsten Phase wird auch erst dann initiiert, wenn alle User Acceptance Tests abgenommen wurden. 

 

Die Deploy Phase 

Die Deploy-Phase konzentriert sich darauf, das Unternehmen auf Cutover-Aktivitäten vorzubereiten und den Go-Live auf dem Produktivsystem umzusetzen. Während des Go-Lives ist in der Regel mit teils auch längeren Ausfallzeiten am System zu rechnen. Deshalb werden diese häufig über Wochenenden oder Feiertagen durchgeführt. Somit wird das Tagesgeschäft des Kunden am wenigsten beeinträchtigt. Ziel der Umstellung ist ein vollständig übertragenes System, das ab Inbetriebnahme fehlerfrei läuft. Dies wird im Rahmen von weiteren Tests überprüft. In der Zeit vor dem Go-Live werden Endbenutzer hierzu bereits geschult und sollten dann bereit sein, das System produktiv zu nutzen.  

 

Die Run and Adapt Phase 

Komplett fehlerfrei läuft jedoch kaum ein Go-Live. Deshalb wird in der Run and Adapt Phase das S/4HANA System stabilisiert, indem offene Punkte angegangen und Fehler behoben werden, die in der Post-Go-Live-Phase aufgedeckt wurden. Werden bei den Endanwenden Wissenslücken entdeckt, können nachträglich Schulungen durchgeführt werden. Des Weiteren wird für eine angenehmere End-User-Experience ein IT Support Team oder ein Helpdesk eingerichtet. Treten Probleme oder Fehler auf, müssen die Endnutzer diese zügig melden, sodass diese von den Beratern zeitig angegangen werden können. Nach circa einem Monat sollten alle essenziellen Probleme gefunden und gelöst sein. Danach ist die Hauptaufgabe, das System mit den neuesten Innovationen und Technologien von SAP auf dem Laufenden zu halten.  

 

Das Zusammenspiel der Phasen 

Nachdem nun alle Phasen einzeln erläutert wurden, kann eine Übersicht über diese und ihre wichtigsten Schritte sowie die dazugehörigen Systeme gegeben werden. In dieser folgenden Grafik finden sich alle bereits erläuterten Phasen mit ihren wichtigsten Punkten. Die jeweils genutzten Systeme befinden sich darunter. Nach dem Trial-System folgt das erste Qualitäts-/Testsystem auf dem erste Arbeiten durchgeführt werden. Zu Beginn der Realize Phase wird dieses System auf das neue Produktivsystem kopiert. Die Systeme laufen ab hier parallel. Sind neue Anpassungen auf dem Qualitätssystem erstellt und getestet, kann regelmäßig auf das Produktivsystem transportiert werden.  

 

 

 

Aussicht 

Wir hoffen, Ihnen mit diesem zweiten Teil der Serie einen ersten, gesamtheitlichen Blick auf SAP Activate und den Verlauf der Phasen zu geben. Damit wurde der Kern des Frameworks erklärt. SAP hat jedoch noch Roadmaps erstellt, in denen diese Phasen nochmal spezifischer gefüllt werden – je nach Situation der Einführung. Wo diese Roadmaps zu finden sind und welche es gibt, wird im letzten Beitrag der Serie erläutert. Bleiben Sie also dran oder abonnieren Sie direkt unseren Blog, um keine spannenden Beiträge zu S/4HANA mehr zu verpassen!