SAP XI, PI oder doch PO? Alle drei Komponenten sind Middleware-Produkte der SAP. Doch worin liegen die Unterschiede und was ist die beste Lösung für ein Unternehmen? Im folgenden Beitrag werden diese Fragen behandelt.

 

Zu Beginn stellt sich die Frage, was eigentlich eine „Middleware“ ist und wofür man diese verwenden kann.

Eine Middleware steht, wie der Name schon teils erklärt, in der Mitte von zwei verschiedenen Systemen. In unserem Fall also das SAP-System und ein zusätzliches externes System (Fremdsystem oder auch Umsystem). Wenn ein SAP-System mit einem externen System verbunden werden soll, tritt meist das Problem auf, dass die Dateiformate der ausgetauschten Informationen nicht kompatibel sind. Um dieses Problem zu beseitigen, bietet SAP die oben genannten Komponenten an. Ein häufig genutzter Anwendungsfall ist die Integration des Beschaffungsprozesses von einem Unternehmen mit dem Bestelleingangsprozess eines anderen Unternehmens.

 

SAP XI (exchange Infrastructure)

SAP exchange Infrastructure war das erste Middleware-Produkt der SAP. Es wurde auf einem Dualstack – also auf einem ABAP und einem Java Application Stack – betrieben. SAP XI besteht aus drei verschiedenen Engines: Der Adapter Engine, welche verschiedene Adapter zur Anbindung der verschiedenen Systeme bereitstellt, die Integration Engine, welche für die Transformation der Nachrichten sowie für das Routing zwischen Sender und Empfänger verantwortlich ist, und der Business Process Engine, welche auf modellierten Workflows basiert.

SAP XI ist heute veraltet und findet kaum noch Anwendung.

Was ist ein Stack?

Auf einem SAP-System stellt der Application Server die Basis der meisten SAP-Produkte dar. Er kann sich in einen ABAP und einen Java EE-Applikationsserver unterteilen. Beide Teile (genannt Stacks) sind sowohl einzeln als auch gemeinsam installierbar. Eine integrierte Installation (ABAP und Java) wird Dual-Stack genannt.

 

SAP PI (Process Integration)

SAP PI ist ein weiteres System, das zur Verbindung von einem SAP-System mit einem Fremdsystem konzipiert wurde. Es erschien einige Jahre nach SAP XI und löste dieses ab. Um Informationen an Fremdsysteme zu schicken oder zu erhalten, verwendet SAP PI genauso wie SAP XI einen ABAP und Java Stack. Allerdings ist es möglich, SAP PI nur mit einem Java Stack zu betreiben. Des Weiteren stehen verschiedene Adapter zur Verfügung, welche eine eventuelle Konvertierung auf das Format des Zielsystems durchführen.

SAP PI ist ein Bestandteil des neueren SAP PO.

 

SAP PO (Process Orchestration)

SAP PO ist eine Kombination aus verschiedenen SAP-Lösungen. SAP PI (Process Integration), SAP BPM (Business Process Management) und SAP BRM (Business Rules Management).

SAP PO arbeitet nicht wie SAP PI und XI mit einem Dual Stack, sondern lediglich mit einem Java Stack.

Was ist SAP BPM?

Das Business Process Management von SAP stellt Methoden, Konfiguration, Technologien und Referenzinhalte für Modellierung, Vorgehensmodelle, Ausführung und Monitoring dieser Geschäftsprozesse zur Verfügung. SAP BPM stellt Fachabteilungen wie Beispielsweise der IT eine gemeinsame Plattform zur Verfügung. Das oftmals komplexe Zusammenspiel zwischen technischen Oberflächen und manuellen Eingriffen lässt sich so schlüssig komponieren und in einem einzigen zentralen Tool abbilden.

Was ist BRM?

Das Business Rules Management hat zum Ziel, Geschäftsregeln zu modellieren, die sowohl auf technische Benutzer auf einem SAP-System (wie z.B. Entwickler, Systemadministratoren, …) als auch Benutzer im operativen Bereich (z. B. Sachbearbeiter) angewendet werden können. Mit BRM kann Ihr Unternehmen Geschäftsregeln auslagern und flexibel über mehrere Installationen hinweg verwalten, um die Flexibilität zu erhöhen und Richtlinien im gesamten Unternehmen konsistent und transparent durchzusetzen. Für mehr Informationen zum Thema Geschäftsregeln lesen Sie auch den Beitrag “BRF+ (Business Rule Framework plus)“.

Migration von PI auf PO?

Eine Migration von PI auf PO wird normalerweise nur durchgeführt, wenn Probleme mit dem bestehenden PI aufkommen. Im Folgenden werden einige Gründe dafür genannt, weshalb es sich trotz funktionierender PI lohnt, auf SAP PO zu migrieren. Ein erster Grund für eine Migration ist, dass bei PI keine weiteren Features mehr von SAP zu erwarten sind, da SAP sich auf die Weiterentwicklung von PO konzentriert. Auch ist eine Migration ratsam, wenn in Zukunft ein Update auf SAP S/4 HANA geplant ist, da auf dem HANA Systemen der PI Dual-Stack nicht unterstützt wird. Außerdem ist SAP PO durch eine vereinfachte Systemlandschaft leichter administrierbar als SAP PI. Des Weiteren ist PO aufgrund seiner vielen Tools leichter konfigurierbar und bietet über Monitore einen besseren Überblick über Verbindungen und den Application Server.

 

Verbindung eines SAP-Systems mit einem Fremdsystem

Um ein SAP-System, mit einem Fremdsystem verbinden zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Zunächst muss man sich mit dem System Landscape Directory (SLD) befassen, da in diesem Verzeichnis alle installierten Systeme einer Systemlandschaft aufgelistet sind.

Danach werden die benötigten Komponenten aus dem SLD in das Integrationssystem exportiert. Es werden Interfaces erstellt, welche den Informationsaustauschprozess definieren. Diese Schnittstellen müssen sowohl für den Sender als auch für den Empfänger gepflegt werden.

Im Anschluss werden Datentypen angelegt, wobei häufig im SAP PI vorhandene Typen verwendet werden. Zusätzlich ist es möglich, die Datentypen über XSD (XML Schema Definition) oder über WSDL (Web Service Description Language) zu definieren.

Als nächstes geht es an die Mapping-Einstellungen. Es muss entschieden werden, welchen Mapping-Typ man verwenden möchte. Das Mapping ist mit XSLT (Extensible Stylesheet Language Transformation) oder mit Java-Mapping möglich. Außerdem können in SAP PI integrierte Tools verwendet werden, welche sicherstellen, dass verschiedene Dateiformate zuverlässig übersetzt werden.

Der letzte Schritt besteht darin ein ICO (Integrated Configurations Object) zu erstellen. Das ICO ist dafür verantwortlich Daten eines Systems zu konvertieren und dann an ein anderes System konvertiert weiter zu leiten.

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